Rascheln im Ohr kann ein kleines Haar sein!

Rascheln im OHR
Gar nicht so selten, wie man vielleicht glaubt, kommen Patienten in die Sprechstunde, die über ein kratzendes Geräusch im Ohr klagen. Einige von ihnen berichten auch über einen Druck im Ohr oder über ein Rauschen. Die Ursache, die dahinter steckt kann eine sehr einfache sein.

Ist das Rascheln im Ohr ein Hörsturz?

Natürlich machen sich die Betroffenen große Sorgen und vermuten einen Tinnitus oder sogar einen Hörsturz dahinter, dabei sind sie in manchen Fällen sogar selbst schuld.

Viele – ja viel zu viele – Menschen mißbrauchen Wattestäbchen und denken es wären Ohrenstäbchen. Dabei steht auf jeder Packung: “Nicht zur Verwendung in den Ohren”. Zäpfchen steckt man sich ja gewöhnlich auch nicht in den Mund. Dabei steht dies noch nicht einmal explizit auf der Packung. Aber das ist nicht das Thema meines heutigen Artikels.

Ein kleines Haar im Gehörgang, das am Trommelfell reibt kann für das Kratzen im Ohr verantwortlich sein. Es kann ein Haar sein, welches – vor allem bei Männern – am Gehörgangseingang wächst oder der klägliche Rest vom letzten Friseurbesuch. Die Patienten berichten, dass es bei Kopfbewegungen im Ohr raschelt. Andere berichten von einem Kratzen, wenn sie sich am Ohr ziehen oder auf den Bereich vor dem Ohr (Tragus) drücken.

Der erfahrene HNO Arzt merkt schon bei der Anamnese, wo die Reise hingeht. Ein kurzer, gelegentlich auch längerer Blick durch das Ohrmikroskop bringt dann die endgültige Diagnose. Gelegentlich muss man das Mikroskop auch etwas hin und her bewegen, damit man das kleine Haar in den Fokus bekommt.

Ein kleines Haar und danach die Wunderheilung

Mit einem kleinen Zängelchen entfernt der HNO Arzt dann das Haar. Dummerweise kann das Haar aber auch am Trommelfell festkleben, dann muss das Haar z.B. mit einem in Wasserstoffperoxyd getränkten Watteträger gelöst werden. Dennoch kann es etwas Zwicken. Daher sollte man über eine sehr ruhige Hand verfügen.

Wie sie sehen, kann ein kleines Haar große Probleme bereiten. Natürlich können die gleichen Symptome auch von einer kleinen Ohrenschmalzflocke ausgelöst werden. Mit einen einfachen Handgriff wird der Patient geheilt und verlässt freudig verdutzt die Praxis.

In diesem Sinne, wünsche ich ihnen einen schönen, erfolgreichen Tag!

Das Ohr

Unser Ohr ist ein hoch entwickeltes Sinnesorgan dessen Leistung nicht hoch genug einzuschätzen ist. Das Ohr ist das wichtigste Lernorgan, das wir haben. Wenn sie sich vielleicht in ihre Schulzeit zurück erinnern, dann fällt ihnen bestimmt ein, dass die Dinge, die sie sich laut vorgesagt haben besser haften geblieben sind als diejenigen, die sie nur wiederholt gelesen haben. Ohne unsere Ohren könnten wir auch nicht hören, wir wären in der Kommunikation mit unseren Mitmenschen enorm eingeschränkt und würden uns isolieren. Das beobachten wir immer wieder bei älteren Menschen, die mit der Zeit immer schlechter Hören.

Das Ohr beherbergt jedoch noch einen weiteres Sinnesorgan: Unser Gleichgewichtsorgan. Dieses ermöglicht uns die Orientierung im Raum. Fällt es aus, geht es im wahrsten Sinne des Wortes „rund“. Die Betroffenen leiden unter einem sehr starken Drehschwindel.

Begeben sie sich mit mir auf eine Reise durch das Ohr.

Unser Ohr gliedert sich in drei Abschnitte. Alle drei Abschnitte sind anatomisch voneinander getrennt und haben jeder für sich eigene Krankheiten.

Zum äußeren Ohr gehören die Ohrmuschel und der äußere Gehörgang, sowie die „Hälfte“ des Trommelfells. Das Mittelohr ist ein mächtiger Verstärker und gleidert sich in die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel), die Paukenhöhle und die Ohrtrompete (Eustach´sche Röhre). Das Innenohr ist komplett in einen Knochen eingebettet. Zu ihm zählen das Gleichgewichtsorgan und die Hörschnecke (Cochlea) – unser Analog-Digitalwandler.

Das menschliche Ohr

Ohr Anatomie
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Das äußere Ohr

Zum äußeren Ohr gehören die Ohrmuschel und der äußere Gehörgang. Die Ohrmuschel besteht überwiegend aus elastischem Knorpel. Das Ohrläppchen ist hingegen knorpelfrei. Die Ohrmuschel endet am äußeren Gehörgang und hat die Funktion eines Trichters. Wir sammeln mit unserer Ohrmuschel alle Töne unserer Umwelt. Durch die klassische Trichterform werden bevorzugt die Schallquellen von vorn herausgefiltert. .
Der äußere Gehörgang ist 3 bis 3,5 cm lang und besteht aus Knorpel und Knochen. Die Haut des äußeren Gehörganges ist sehr sensibel und sehr schmerzempfindlich. Manche Unverbesserlichen empfinden sogar eine Art Befriedigung bei der Manipulation mit Wattestäbchen. Die Hauptfunktion des äußeren Gehörganges ist die Reinigung von Schmutzpartikeln und der Schutz vor Infektionen. Besonders der Ohrenschmalz mit seiner antibakteriellen und antimykotischen Wirkung trägt zur Schutzfunktion bei.

Das Mittelohr

Das Trommelfell liegt am Ende des Gehörganges und grenzt den äußeren Gehörgang gegen die Paukenhöhle ab. Es besteht größtenteils aus Bindegewebe und ist hauchdünn. Es besteht aus maximal 3 feinen Lagen. Die Membran des Trommelfells wird durch die auftreffenden Schallwellen in Schwingungen versetzt und überträgt diese ins Mittelohr.

Im Mittelohr liegen die kleinsten und härtesten Knochen des Menschen. Kein anderer Knochen ist so stabil wie unserer Gehörknöchelchen. Aussehens und Funktion gaben ihnen ihre Namen: Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes). Sie geben den ankommenden Schall weiter ins Innenohr.

Der Steigbügel ist das letzte Gehörknöchelchen in Richtung Innenohr. Seine Fußplatte mündet in das so genannte ovale Fenster, welches das flüssigkeitsgefüllte Innenohr vom luftgefüllten Mittelohr trennt.

Die Natur hat sich natürlich bei dieser Anordnung etwas gedacht: Das Mittelohr verstärkt allein durch dessen Aufbau den ankommenden Schall um das Zweiundzwanzigfache (!!!). Nur so ist es möglich den ankommenden Schall nahezu verlustfrei ins Innenohr weiterzugeben.

Wird die Gehörknöchelchenkette zerstört, kommt es zu einer hochgradigen Verminderung des Hörvermögens um etwa 40-50 dB.

Die ebenfalls zum Mittelohr zugehörige Ohrtrompete (Tube, Eustachische Röhre) verbindet das Mittelohr mit dem Rachenraum und dient dem Druckausgleich, beispielsweise beim Fliegen und Tauchen.

Das Innenohr

Das Innenohr ist komplett in das Felsenbein eingebettet und besteht aus einem komplizierten System von flüssigkeitsgefüllten Schläuchen und kleinsten Sinneszellen. Es ist ein Analog – Digitalwandler. Das heißt die ankommenden Schallwellen werden in elektrische Impules umgewandelt und über den Hörnerv an unser Gehirn weitergegeben. Damit das Schlauchsystem nicht zu viel Platz wegnimmt wurde es zu einer Schnecke aufgewickelt. Insgesamt hat die Hörschnecke eine Länge von ungefähr 3,5 bis 4 cm. Insgesamt sind 25000 !!! Sinneszellen in unserer Hörschnecke verbaut.

Das Gleichgewichtsorgan

Das Gleichgewichtsorgan ist das älteste Sinnesorgan des Menschen und direkt mit dem Innenohr, der so genannten Hörschnecke verbunden. Es besteht im groben aus fünf Bestandteilen- den drei Bogengängen, dem Sacculus und dem Utriculus.

3 Bogengänge, die auch als „Cupulaorgane“ bezeichnet werden. Die Bögengänge sind für die Registrierung von Drehbewegungen verantwortlich. Sie sind in die drei Ebenen des Raumes angeordnet und unterteilen sich in einen vorderen, hinteren und seitlichen Bogengang.

Sacculus. Der Sacculus registriert die Veränderungen in der vertikalen Ebene, wie wir sie beim Liftfahren für das Auf und Ab benötigen.

Utriculus. Der Utriculus ist für Registrierung der horizontalen Bewegung zuständig. Er meldet also dem Gehirn, ob wir uns vor oder zurück bewegen.

Der Fachmann bezeichnet den Utriculus und den Sacculus als „Maculaorgane“.

Im Utriculus und Sacculus finden sich Nervenzellen, die in eine gallertartige Masse münden und den so genannten „Otolithen“. Die Otolithen sind feine Kristalle aus Kalziumkarbonat und erhöhen die Dichte der gallertartigen Membran.

Das Gleichgewichtsorgan besteht aus einem knöchernen und einem häutigen Anteil. Das knöcherne Labyrinth umhüllt das häutige Labyrinth. Man kann sich dies ungefähr wie einen langen, schmalen, geformten Luftballon in einem knöchernen Kanal vorstellen. Als hätte ein Clown drei zusammenhängende Röhren geformt.

Der Ballon selbst und der Raum zwischen dem Knochen und dem „Ballon“ sind mit zwei verschiedenen Flüssigkeiten gefüllt.

Die Flüssigkeit im äußeren Raum nennt man „Perilymphe“ und die Flüssigkeit im „Ballon“ wird als „Endolymphe“ bezeichnet.

 

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