Kortison hilft bei Halsschmerzen 

Klingt für mich zunächst etwas verrückt,  aber es scheint wirklich etwas daran zu sein.

Seit jeher benutzt der Hals-Nasen-Ohrenarzt ein hochdosiertes intravenöses Kortikoid unterstützend bei einem Abszess der Mandeln. Das wirkt meist hervorragend und bereits am nächsten Tag sind die Beschwerden bedeutend geringer.

Eine neue, große Querschnitt – Studie aus England fand nun heraus, dass eine einmalig Gabe von nur zehn Milligramm Dexamethason zu einer deutlichen Linderung von Halsschmerzen bei einer banalen, jedoch sehr schmerzhaften Rachenentzündung führt.  Das gilt sowohl für einen bakteriellen Infekt als auch für vitale Entzündungen.

Die einmalige Gabe führte bei Patienten zu einer Verdoppelung der Schmerzfreiheit gegenüber den Patienten, die nicht mit Kortison behandelt wurden.

Die Wahrscheinlichkeit,  dass der Patient nach nur 48 Stunden schmerzfrei ist, war um den Faktor 1,5 erhöht.

Die niedrigdosierte, einmalige Gabe von bis zu 10 mg Dexamethason scheint also eine sinnvolle Ergänzung bei akuten, sehr starken Halsschmerzen zu sein.

Ich nehme diese Studie gern an und werde Patienten mit starken Halsschmerzen  in Zukunft  noch besser helfen können.

 

Halsschmerzen und Kortison

 

Quelle Kortison bei Halsschmerzen:

Corticosteroids for treatment of sore throat: systematic review and meta-analysis of randomised trials

BMJ 2017; 358 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.j3887 (Published 20 September 2017)Cite this as: BMJ 2017;358:j3887

Mandelentzüdung und Antibiotikum?

Brauche ich bei einer akuten Mandelentzündung ein Antibiotikum?

Eine akute Mandelentzündung äußert sich durch intensive Schluckbeschwerden und vor allem durch massive Schmerzen beim Schlucken. Diese Schmerzen können bis in die Ohren ausstrahlen. Zusätzlich bestehen ein allgemeines Krankheitsgefühl, körperliche Schwäche und teilweise Fieber.

Aufgrund dessen fällt dem Betroffenen natürlichen Nahrungsaufnahme schwer und er trinkt auch weniger. Schon befindet man sich in einem kleinen Teufelskreis, denn gerade die Flüssigkeitszufuhr muss bei jedem Infekt gewährleistet sein.

In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich bei der Mandelentzündung um eine virale Entzündung. Um es gleich vorweg zu nehmen: Antibiotika helfen nicht bei viralen Entzündungen! Bei einer bakteriellen Entzündung kommt es zu einem verlängerten Verlauf bzw. kann es zur Entwicklung von Komplikationen kommen.

Eine der Komplikationen einer bakteriellen Tonsillitis ist der Paratonsillarabszess. Bei einem Paratonsillarabszess bildet sich eine Eiterhöhle hinter den Mandeln.

Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Mandelentzündung besser zu verstehen und hoffentlich in Zukunft auf unnötige Antibiotika-Einnahmen zu verzichten. Alles ist Gift, es kommt nur auf die Dosierung an.

In Deutschland wird die Diagnose einer akuten bzw. chronischen Entzündung der Mandeln über 100.000 Mal pro Jahr gestellt. Die Mandelentfernung ist bei stationär behandelten Kindern und Jugendlichen die vierthäufigste Operation. Die Anzahl der Operationen schwanken in der Bundesrepublik deutlich. Im Saarland findet man sogar die meisten Mandeloperationen pro Kopf.

Auslöser einer Mandelentzündung

Die akute Mandelentzündung wird in bis zu 95 % der Fälle durch Viren verursacht. Bei einer bakteriell bedingten Mandelentzündung handelt es sich meist um Streptokokken der Gruppe A. Der Nachweis von Bakterien bei einer Mandelentzündung gelingt nur bei 50-66 % der betroffenen Patienten.1

Laut der aktuell geltenden Leitlinie2 soll eine Unterscheidung zwischen akuter und wiederkehrender akuter Tonsillitis – früher chronische Tonsillitis genannt- erfolgen. Der Einfachheit halber werde ich weiterhin den Terminus chronische Tonsillitis verwendet. Dann weiß auch jeder, was gemeint ist.

Wann sollen die Mandeln operiert werden?

Bei der chronischen Mandelentzündung kommt es zu beschwerdearmen bzw. beschwerdefreien Intervallen zwischen den akuten Episoden. Eine operative Entfernung der Mandeln soll nach der aktuell geltenden Leitlinien nach folgenden Kriterien erfolgen:

  • Sieben oder mehr Mandelentzündungen im letzten Jahr
  • fünf oder mehr Mandelentzündungen jeweils pro Jahr in den letzten zwei Jahren
  • drei akute Mandelentzündungen jeweils pro Jahr in den letzten drei Jahren

Diagnostik bei einer Mandelentzündung

Zunächst ist natürlich die Anamnese von herausragender Bedeutung. Bei der klinischen Untersuchung schaut man sich den Mund Rachenbereich genau an. Typisch für eine akute Mandelentzündung sind gerötete, geschwollene Mandeln. Bei bakteriellen Entzündungen finden sich oft auch gelbliche Stippchen in den Krüpten. Das sind die kleinen Vertiefungen bzw. Löcher in den Mandeln. Bei der Untersuchung des äußeren Halses finden sich oft geschwollene Lymphknoten, die bei Berührung schmerzen.

Wie finde ich jetzt heraus, ob es sich um eine seltene bakterielle Mandelentzündung handelt?

Wie so oft in der Medizin versucht man diese Frage mit einem Fragebogen, einem so genannten Score und einem Abstrich zu sichern:

Bestimmung der Wahrscheinlichkeit einer Streptokokkeninfektion für Patienten mit Manselentzündung nach Malsaac

 

Punkte           Symptome

1                     Fieber über 38°

1                     kein Husten

1                     Hals Lymphknotenschwellung

1                     Schwellung der Mandeln

 

Alter:

1                     3-14 Lebensjahre

0                     15- 44 Lebensjahre

-1                    mehr als 45 Lebensjahre

 

Auswertung:

-1 oder 0                   ca. 1%

1                                 ca. 10 %

2                                 ca. 17 %

3                                 ca. 35 Prozent

4-5                             ca. 50 Prozent

 

Hat der 4 jährige Patient (+1) Fieber, Husten (-1) und eine Schwellung der Mandeln (+1) und geschwollene Halslymphknoen (+1), dann ergibt die Summe 3. die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Streptokokkeninfektion handelt, liegt aufgrund der Tabelle bei lediglich 35 %.

In dieser Konstellation kann ein Rachenabstrich somit sinnvoll sein.

Ein erwachsener Patient über 45 Jahre hat bei dieser Konstellation lediglich die Wahrscheinlichkeit von 17 % unter einer Streptokokkeninfektion zu leiden.

Hat der vier jährige Patient Halsschmerzen, Husten, eine Lymphknotenschwellung und kein Fieber, dann liegt die Wahrscheinlichkeit einer Streptokokkeninfektion lediglich bei 17 % und rechtfertigt somit weder einen Abstrich, noch eine Antibiose.

Die Kosten für einen Schnelltest – Rachenabstrich werden in Deutschland bis zum 16. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen. Darüber hinaus müssen Sie mit Kosten rechnen.

Therapie der akuten Mandelentzündung

Sollte sich nun herausstellen, dass es sich wirklich um eine bakterielle Mandelentzündung handelt, dann ist eine Antibiotikagabe zwingend notwendig. Gerade wenn es sich um Streptokokken handelt, begeht der behandelnde Arzt einen Fehler, wenn er darauf verzichtet. In diesem Fall es immer noch Penicillin das Mittel der Wahl. Es wirkt zuverlässig gegen Streptokokken und sollte über sieben Tage eingenommen werden.

Hat man den Verdacht, dass es sich zwar um eine bakterielle Entzündung handelt, jedoch keine Streptokokken ursächlich sind, kann man auf Amoxicillin zurückgreifen. Dieses Aminopenicillin hat ein größeres Wirkspektrum im gram- negativen Bereich.

Alternativen sind Erythromycin, Clindymycin oder Cephalosporine.

In den übrigen 95 % der Fälle handelt es sich also um eine virale Entzündung. Bei diesen helfen keine Antibiotika. Hier sollte man lediglich die Symptome behandeln. Schmerzmittel, Flüssigkeitszufuhr am besten mit Tees und körperliche Schonung sind hier zu empfehlen.

Bei einem banalen Infekt der Mandeln reicht Paracetamol, mein geliebter Cistus Inaus TEE3 und körperliche Schonung komplett aus. Bei stärkeren Halsschmerzen kann man auch auf Ibuprofen oder Diclofenac zurückgreifen.

Wie immer gilt: Wenn Sie sich nicht sicher sind, besuchen Sie ihren Hals Nasen Ohren Arzt. Er hat die ausreichende Erfahrung und das Wissen, Ihnen innerhalb kürzester Zeit zu helfen.

Bedenken Sie jedoch: Ein Infekt kommt eine Woche, bleibt eine Woche und ergeht eine Woche. Wunder geschehen in der Kirche und leider nur selten in der Medizin.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem kleinen Artikel etwas helfen und wünsche Ihnen, sofern Sie betroffen sind, von Herzen eine gute Besserung!

Literatur

  1. Del Mar C. Managing sore throat: A literature review II. Do antibiotics confer benefit? Med J Aust. 1992;156(9):644-649.
  2. Berner R, Steffen G, Toepfner N, Waldfahrer F, Windfuhr J. Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis. AWMF Online. 2015;(017/024):1-115. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-024l_S2k_Tonsillitis_Gaumenmandeln_2015-08_01.pdf.
  3. Kalus U, Grigorov A, Kadecki O, Jansen JP, Kiesewetter H, Radtke H. Cistus incanus (CYSTUS052) for treating patients with infection of the upper respiratory tract. A prospective, randomised, placebo-controlled clinical study. Antiviral Res. 2009;84(3):267-271. doi:10.1016/j.antiviral.2009.10.001.