Der umgangssprachlich oft gebrauchte Begriff von „Wasser im Ohr“ kann im medizinischen Sinn gleich zwei Sachen bedeuten. 1. Nach dem Duschen befindet sich noch Wasser im Gehörgang, direkt vor dem Trommelfell und 2. Das „Wasser“ befindet sich hinter dem Trommelfell im Mittelohr. In diesem Artikel reden wir vom zweiten Fall, der unter Fachmännern als Paukenerguss bezeichnet wird.
Gerade bei Kindern kommt es häufig vor, dass sie unter einem Paukenerguss leiden. Nahezu 90 Prozent der Kinder haben bis zur Teenagerzeit unter einer Sekretansammlung im Mittelohr gelitten.
Die häufigste Ursache eines Paukenergusses im Kindesalter sind die vergrößerte Rachenmandeln, die falsch als Polypen bezeichnet werden. Diese kann sich entweder kurzzeitig durch einen Infekt vergrößern oder auch chronisch entzündlich verändert sein. Gerade im letzten Fall, hilft nur eine Operation.
Liegt gleichzeitig ein Paukenerguss vor, so wird dieser in gleicher Sitzung ein Schnitt ins Trommelfell gemacht und das Sekret abgesaugt oder bei entsprechendem Befund auch ein Paukenröhrchen eingelegt.
Eine neue Studie aus Amerika stellte erneut die Indikationen für eine Paukendrainage zusammen.
Dabei wurden 5 Kriterien genannt, die ein Röhrchen im Ohr als Folge nach sich ziehen:
- Das Seromukotympanon: Das Seromukotmpanon beschreibt die Zusammensetzung des Sekretes. Als serös bezeichnet man eine wässrige Konsitenz und als mucös, wenn das Sekret eingedickt ist – etwa wie Honig. Das Seromukotympanon bedeutet also, dass das Sekret nur noch leicht wässrig bis hin zu honigartig ist. Die Autoren empfehlen ein Röhrchen, wenn das Seromukotympanon nicht durch ein Antibiotikum beeinflussbar ist oder auf beiden Seiten mehr als drei Monate oder nur auf einer Seite mindestens 6 Monate besteht oder sich der Paukenerguss in einem Jahr sechs Mal wiederholt.
- Wiederkehrende Mittelohrentzündung (Otitis media): Mehr als drei Mittelohrentzündungen in einem halben Jahr oder mehr als 4 Mittelohrentzündungen in einem Jahr.
- Eitrige Komplikationen
- Chronische Fehlfunktion der Eustachs´chen Röhre (Tuba auditiva) nach erfolgloser medikamentöser Therapie
- Barotrauma
In der Studie wurde jedoch nicht auf die Wirksamkeit geachtet, sondern lediglich untersucht in wie weit diese Leitlinien von New Yorkern Ärzten umgesetzt wurden. Erstaunlicher Weise wurde sich nur in 30,3 Prozent an diese Empfehlungen gehalten. Offensichtlich gehen also die Expertenmeinung und die tägliche Praxis weit auseinander.
Die Forscher halten abschließend fest, dass zum einen die amerikanischen Ärzte die Leitlinien nicht umsetzten aber zum anderen die Leitlinien eventuell zu restriktiv seien.
Gerade bei Kindern entscheidet der Operateur meist während der Operation, ob eine Paukendrainage notwendig ist oder nicht. Erst dann kann er aber auch oft erst zwischen einem Serotympanon (flüssiges Sekret) oder Seromukotympanon (honigartiger Erguss) unterscheiden.
Quelle:
Curr Opin Otolaryngol Head Neck Surg. 2008 Oct;16(5):406-11.
Contemporary indications for ventilation tube placement.
Schraff SA.
Arizona Otolaryngology Consultants, Phoenix, Arizona 85004, USA. schraffs@hotmail.com
Autor: Dr. Holger Dewes; www.drdewes.de