Neue Hilfe beim Morbus Menière ohne größere Risiken

Die intratympanale Kortikoidthreapie beim Morbus Menière

Die intratympanale Kotikoidtherapie hat sich mittlerweile gut bei der Behandlung des Hörsturz etabliert. Momentan wird sie in Deutschland vornehmlich bei einem Hörsturz angewendet, der nicht auf eine systemische (also intravenöse oder orale Gabe) Kortisontherapie reagiert hat. In meiner Praxis führe ich dieses Verfahren seit 2005 mit zum Teil großen Erfolgen durch und habe schon frühzeitig ein Auge auf den Morbus Menière geworfen.

Der Morbus Menière ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Anfälle von Schwindel, Hörverlust und eventuell sogar einem Tinnitus, der meist von den Betroffenen als starkes „Brummen“ wahrgenommen wird. Diese Schwindelanfälle können mehrere Stunden andauern und beeinflussen somit massiv die Lebensqualität der betroffenen Patienten.

Die medikamentöse Therapie ist mehr als nur eingeschränkt. Das über Jahrzehnte empfohlene und benutzte Betahistin kann heute nicht mehr mit gutem Gewissen verschrieben werden, da es laut einer anderen Studie überhaupt nicht wirksam sei. Das sehe ich persönlich anders, da in meiner Praxis einige Patienten von Betahistin profitieren. Im akuten Anfall hilft nur Vomex als Tablette oder Zäpfchen, letzteres wirkt auch bei starkem Erbrechen. Eine kausale Therapie existiert bis heute nicht.

Gentamycin vergiftet das Innenohr und das Gleichgewichtsorgan beim Morbus Menière

Als sehr wirksame Behandlung wird seit Jahren die intratympanale Gentamycin Therapie propagiert. Dabei wird Gentamycin, ein Antibiotikum, in lokaler Betäubung durch das Trommelfell ins Mittelohr gespritzt. Gentamycin “vergiftet “ das Gleichgewichtsorgan und die Schwindelanfälle gehen zurück. Leider wirkt das Medikament nicht nur “giftig” auf das Gleichgewichtsorgan sonder auch auf das Innenohr. Somit kann es zu einer erheblichen Hörstörung nach einer Gentamycin — Behandlung kommen.

Aus diesem Grund stehen verständlicher Weise viele Patienten dieser Therapie ablehnend gegenüber, obwohl man wissenschaftlich nachweisen kann, dass diese Behandlung hilft.

Kortisonspritze ins Ohr wirkt genauso gut wie Gentamycin

In einer neuen Studie aus dem Jahr 2017 wurde nun die bekannt wirksame intratympanale Gentamycin Therapie mit der beim Hörsturz erfolgreichen intratympanalen Kortikoidtherapie verglichen. Dabei erfolgte eine Reduktion der Attacken nach Behandlung mit Gentamycin um 87% und nach der Behandlung mit Methylprednisolon um 90%. Auch die (sehr geringen) Nebenwirkungen waren vergleichbar.

Die intratympanale Kortison — Therapie wurde ambulant durchgeführt. Die Patienten erhielten jeweils zwei Injektionen im Abstand von 14 Tagen. Besonders hervorzuheben ist natürlich, dass die Prednisolon-Behandlung nicht in einer Zerstörung des Gleichgewichtsorgans oder des Innenohrs resultierte, die Gleichgewichtsfunktionen und das Gehör daher erhalten blieben.

Somit kann Patienten mit einem Morbus Menière eine effektive, wissenschaftlich Erfolg versprechende Behandlung angeboten werden, die ohne große Nebenwirkungen zu einer deutlichen Verminderung der Schwindelanfälle innerhalb des Folgejahres führen kann.

Sollte Ihr Interesse geweckt sein, so können Sie gerne mit uns einen Termin vereinbaren.

Literatur
Patel M, Agarwal K, Arshad Q et al. Intratympanic methylprednisolone versus gentamicin in patients with unilateral Meniere’s disease: a randomised, double-blind, comparative effectiveness trial. Lancet 2016; 388: 2753–2762