Geruchsstörung nach Erkältung

Geruchsstörung
Vielleicht lassen sie mich heute, ihnen die Angst vor einer Geruchsstörung nach einem Infekt nehmen. Jeder von uns hatte mal einen ordentlichen Schnupfen oder sogar eine kräftige Erkältung. Selbst den gefürchteten Männerschnupfen haben die Hälfte von uns schon mal überlebt. Den gibt es übrigens wirklich und die meisten Frauen können nicht verstehen, wie es uns dabei geht. Selbst ich wollte vor zwei Wochen den Rettungshubschrauber rufen, damit er mich mit meinem Schnupfen auf die Intensivstation fliegt. Aber das ist nicht das Thema meines heutigen Artikels.

Als Komplikation bei einem ordentlichen Infekt kann es zu einer kurzen, längeren oder sogar bleibenden Störung der Riechfunktion kommen. Die allermeisten Fälle sind natürlich die kurzzeitigen Geruchsstörungen während des Infektes.

Dauert die Riechstörung jedoch länger bzw. ist sie komplett, dann sollte der Betroffene den Hals- Nasen- Ohrenarzt aufsuchen. Hier muss gehandelt werden. Jeder meiner Kollegen hat sein spezielles Behandlungsschema und wenn man sie früh anwendet, können bleibende Schäden abgewendet werden.

Endoskopie der Nase ist die wichtigste Untersuchung bei einer Geruchsstörung

In meiner Praxis führe ich eine vollständige Untersuchung des HNO Gebietes durch, mache einen Geruchstest und lege dabei besonderen Wert auf die Nasenendoskopie. Ich schwelle die Nase mit einem otrivengetränkten Tupfer ab, der für 20 Minuten in den beiden Nasenhaupthöhlen bleibt.

Dann hat man einen noch besseren Überblick. Nasenpolypen, die sich aufgrund des Infektes vergrößert haben, können genauso für Riechstörungen verantwortlich sein, wie eine Schwellung der intranasalen Schleimhäute.  Die Polypen können sich über der meist geschwollen unteren Nasenmuschel verstecken und werden erst nach dem Abschwellen der Nasenmuscheln sichtbar.

Weiterführende Diagnostik

Nach der ausführlichen HNO Untersuchung sind nun die bildgebenden Verfahren gefragt. Allen voran die Computertomographie der Nasennebenhöhlen. Die Computertomographie ist bislang das beste Verfahren zur Beurteilung des Siebbeins und des oberen Nasenseptums, eben dem Bereich, in dem das Riechen vornehmlich stattfindet. Eine Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie) löst in dem Bereich nicht befriedigend auf, dennoch sollte vor allem bei jüngeren Patienten eine Kernspintomographie gewählt werden aufgrund der nicht vorhandenen Strahlung. Natürlich hilft auch eine digitale Volumentomographie weiter (DVT), die jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird.

Geruchstest

Der Geruchstest hat sich seit der Einführung von „Sniffin Sticks“ deutlich vereinfacht und man erhält schnell eine valide Aussage zum Geruchsvermögen. Es handelt sich dabei um zwölf unterschiedlichste Riechstifte, deren Geruch den Patienten präsentiert wird und diese dann aus einer Auswahl den richtigen Geruch herausfinden sollen. In vielen Fällen hilft auch der Geschmackstest über die Zunge weiter.  Eine so genannte Schwellendiagnostik, bei der die Gerüche in unterschiedlichen Konzentrationen präsentiert werden ist eher den klinischen Zentren vorbehalten, da diese Diagnostik zeitraubend und nicht erstattungsfähig ist.

Behandlung einer Geruchsstörung nach Infekt

Meine Behandlung einer Geruchsstörung nach bzw. während eines Infektes basiert auf:

  1. Infektbekämpfung
  2. Antientzündlicher Therapie
  3. Lokal abschwellende Maßnahmen
  4. Riechtraining
  5. Allgemeine Unterstützung

 

Infektbekämpfung

Erhalte ich während der Untersuchung beziehungsweise nach der Abstrichuntersuchung den Verdacht eines bakteriellen Infektes, führe ich eine antibiotische Behandlung über 10 – 14 Tage durch. Bei viralen Infekten kann selbstverständlich darauf verzichtet werden. Eine Sekretlösung ist auf jeden Fall über 14 Tage sinnvoll (z.B. die bekanntesten Vertreter: Soledum forte (r), Gelomyrtol forte (r), Sinupret (r) oder ähnliche)

Antientzündliche Therapie

Liegt zweifelsfrei eine akute Riechstörung vor, sollte ein Kortisonschema mit absteigender Dosierung angewendet werden. Gerade vor Kortison haben die Patienten immer einen großen Respekt und äußern ihre Bedenken. Im Fall einer Geruchsstörung sollte jedoch nicht darauf verzichtet werden. Hier muss ich gelegentlich schon einige Überzeugungsarbeit leisten.

Lokal abschwellende, antientzündliche Therapie

Durch Schleimhautschwellung im Bereich der Nase und insbesondere des Riechepithels kommt es zur Beeinträchtigung des Riechvermögens. Lokal abschwellende und antientzündlich wirkende Nasensprays sollten daher über mindestens 4-8 Wochen angewendet werden. Kortisonhaltige Nasensprays erfüllen die Voraussetzungen dafür. Sie sind als Allergienasenspray mit Mometason sogar mittlerweile frei verkäuflich in der Apotheke zu bekommen. Jetzt kommt es noch auf die korrekte Anwendung an. Man sprüht mit der rechten Hand ein bis zwei Sprühstöße ins linke Nasenloch und mit der linken Hand ebenso ins rechte Nasenloch. Der Kopf ist in normaler, gerader Haltung. Ich empfehle die Anwendung morgens und abends. Man beachte aber, dass die Schleimhäute durchaus austrocknen können, daher sollte begleitend eine pflegende Nasensalbe angewendet werden.

Riechtraining

Das ist mit das WICHTIGSTE überhaupt! Mehrere Studien konnten beweisen, dass ein Riechtraining die Chancen einer Erholung der Riechfunktion deutlich erhöht. Dies kann man zum Einen mit industriell gefertigten Riechstiften (z.B. Sniffin Sticks (r), ca. 50 Euro) durchführen oder die günstigere Variante wählen und mit Produkten arbeiten, die man kennt und zu Hause hat. Dabei schließt man die Augen, „visualisiert“ den Geruch – man stellt sich genau vor wie der Stoff riechen soll – und dann riecht man mit geschlossenen Augen daran. Man testet also nicht, ob man den Stoff riecht, sondern macht es genau umgekehrt. Man ruft sich somit den Geruch wieder in das Gedächtnis.

Allgemeine Maßnahmen bei Geruchsstörung

Eine Nasendusche, die man zweimal täglich anwendet, und eine Nasensalbe sind sehr gute unterstützende Hilfsmittel. Nicht zu vergessen sind Vitamin A Tropfen (z.B. Vitradral Tropfen (r)), die man morgens und abends in Kopf – Hängelage in jedes Nasenloch einträufelt und etwas einwirken lässt. Manchmal empfehle ich auch noch einen Vitamin B Komplex (z.B. Neurobion (r)) und Zink (Zinkorotat (r)) für ein bis zwei Monate.

Erfolgsaussichten bei Störungen des Riechvermögens

Sie merken, eine Geruchsstörung kann mit einigem Aufwand behandelt werden. Die Erfolgschancen kann man dennoch nicht genau einschätzen. Die Behandlung einer Störung des Riechvermögens ist und bleibt schwierig. Auf einem Kongress wurde eine mögliche Regenerationszeit von bis zu fünf Jahren angegeben – das gibt immerhin Hoffnung! Gewöhnlich kommt das Geruchsvermögen aber innerhalb eines Jahres oder früher zurück.

Ein Patient, der sich vor 4 Wochen mit einer Geruchsstörung in meiner Praxis vorstellte, kam diese Woche zur Verlaufskontrolle und er war überglücklich, dass er bereits nach wenigen Tagen wieder riechen konnte, obwohl die Probleme vor der Behandlung bereits einige Wochen bestanden.  Lassen sie sich nicht entmutigen und lassen sie bitte nicht den Kopf hängen. Ihr Hals- Nasen- Ohrenarzt hilft ihnen gerne weiter.

Ich wünsche jedem Leser und nicht zuletzt jedem Verzweifelten viel Erfolg bei der Genesung!

Nasensprays in Schwangerschaft

Es ist bekannt, dass in der Schwangerschaft viele unter einer ständig verstopften Nase leiden. Des Weiteren schützt eine Schwangerschaft nicht vor dem Risiko einer Erkältung zu bekommen. Dann stellt sich immer die Frage welche Medikamente kann ich nehmen und vor allem kann ich ein Nasenspray nehmen?

Dieser kleine Artikel soll Ihnen Sicherheit geben, damit sie wissen welche Art von Nasenpflege bzw. Nasensprays sie ohne Bedenken verwenden können.

Abschwellendes Nasenspray ist ein so genannter „off label use“

Zuvor sollte man aber wissen, dass 85 % aller Medikamente während einer Schwangerschaft keine explizite Zulassung zur Verwendung der in der Schwangerschaft haben. Man bezeichnet daher eine solche Verordnung als „off label use“.

Im Beipackzettel der Medikamente steht, dass man sie nicht während einer Schwangerschaft nehmen soll. Hundertprozentig gesicherte Studien gibt es zu diesem Thema nicht. Welche Schwangere stellt sich schon freiwillig zur Verfügung ein Medikament mal auszutesten. Das ist also ethisch nicht vertretbar.

Die Empfehlungen hier stützen sich auf einen aktuellen Artikel und dieser beruht auf empirischen Erfahrungen tausender Kollegen und tausendfacher Schwangerschaften.

Daher werden auch einige Ratschläge, die ich hier gebe, im Beipackzettel ebenfalls eine Warnung enthalten.

Letztendlich sollten Sie grundsätzlich vor der Verwendung eines Medikamentes Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt halten.

Die Nase schwillt aufgrund von Hormonen zu

Die unter anderem hormonell bedingte Rhinitis während einer Schwangerschaft für Zustellung der Nasenschleimhaut und einer behinderten Nasenatmung. Folgeerscheinungen sind Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung und eine verminderte Konzentrationsfähigkeit. Dies führt natürlich zu einer eingeschränkten Lebensqualität der Schwangeren.

Durch die längerfristige Behinderung der Nasenatmung besteht während eines Infektes unter anderem auch das Risiko einer Mittelohrentzündung.

Bezüglich der Verwendung von abschwellen Nasensprays ergibt sich aus der aktuellen Studienlage kein Hinweis auf ein Embryo schädigendes Potenzial. Abschwellende Nasensprays enthalten die Wirkstoffe Xylometazolin und Oxmetazolin. Ich nenne diese im weiteren Artikel nur noch wegen ihrer Endung: Zoline.

Diese Zoline sind laut Beipackzettel nicht für Schwangere geeignet. Theoretisch wäre eine Beeinträchtigung des Feten durch eine systemische Vasokonstuktion denkbar. Das bedeutet, die Durchblutung der Frucht kann gestört werden.

Bei entsprechender Indikation, kann man dennoch kurzfristig auf die Zoline zurückgreifen. Eine Anwendung über 3-5 Tage ist somit möglich.

Vorsicht die Nasensprays machen auch Schwangere und Kinder abhängig

Viel länger sollten abschwellen der Nasensprays sowieso nicht genommen werden. Innerhalb 5-10 Tagen entsteht nämlich ein Gewöhnungseffekt. Dieser führt zu einer lokalen Abhängigkeit. Man kann ohne Nasensprays und ohne Zoline nicht mehr frei durchatmen. Deshalb sollte man generell darauf achten, dass abschwellen Nasensprays nur bei maximal 5-10 Tage genommen werden.

Das gleiche gilt natürlich auch für Kinder. Und hier macht nicht die Dosierung das Problem, sondern die Dauer der Anwendung. Stellen Sie sich zwei Nervenendungen vor, dass eine Nervenende sendet ein Botenstoff aus und auf dem Erfolgsorgan sitzt ein Rezeptor, der sagt: Gefäß zieht sich zusammen, glatte Muskulatur zieht sich zusammen.

Jetzt kommt der schlaue Mensch bzw. die Pharmaindustrie auf die Idee diesen Botenstoff nachzuahmen. Der Mensch sprüht sich diese Zoline in die Nase und der Rezeptor am Erfolgsorgan wird mit Botenstoff überflutet. – in nie zuvor dagewesener Menge. Die Nase wird frei, läuft nicht mehr so stark und der Mensch ist glücklich.

Doch Vorsicht, das Messer hat zwei Schneiden!

Nach ein paar Tagen haben die Rezeptoren natürlich „die Nase voll“ und ziehen sich zurück. Dann setzt der Mensch die Zoline ab und die Menge des natürlichen Botenstoffes reicht nun nicht mehr aus, dass Erfolgsorgan zu beeinflussen. Es ist somit eine lokale Abhängigkeit entstanden.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: nach knapp drei Wochen bilden sich diese Rezeptoren wieder in ausreichender Anzahl. Aber diese drei Wochen sind für die meisten unerträglich lang.

Sie merken vielleicht, dass ich persönlich nicht viel von diesen Medikamenten halte und sie nur Notfall einsetze.

Welche Nasensprays können unbedenklich verwendet werden?

Viel besser ist die Verwendung von Nasensprays aus Salzbasis oder auch einer Nasendusche. In den meisten Fällen reicht die abschreckende Wirkung dieser Sprays vollkommen aus.

Generell kann die Schwangere der hormonellen Rhinitis vorbeugen, indem sie regelmäßig Nasenspülung durchführt. Regelmäßig bedeutet in diesem Fall: einmal morgens und einmal abends.

Sollte nun dennoch keine Verbesserung durch die salzhaltige Nasensprays erzielt werden, so kann man auch auf Cortison-Nasensprays zurückgreifen. diese führen nicht zu einer lokalen Abhängigkeit und können somit über einen längeren Zeitraum genommen werden. Jedoch sollte man auch in der Schwangerschaft mit diesen Produkten vorsichtig sein und sie nur bei passender Indikation einsetzen.

Ich hoffe ich konnte ihn mit meinen Angaben behilflich sein, sollte noch Freitag Fragen offen sein, so kann ich Ihnen den unten stehenden Artikel empfehlen.

Ich wünsche Ihnen, sofern Sie schwanger sind, alles Gute für die nächste Zeit und viel Spaß mit dem neuen Erdenbürger. Auf dieser Welt gibt es nichts Schöneres!

P.S.: Geben Sie bitte Ihrem Kind -wenn überhaupt- niemals über längere Zeit abschwellendes Nasenspray!