Geruchsstörung nach Erkältung

Vielleicht lassen sie mich heute, ihnen die Angst vor einer Geruchsstörung nach einem Infekt nehmen. Jeder von uns hatte mal einen ordentlichen Schnupfen oder sogar eine kräftige Erkältung. Selbst den gefürchteten Männerschnupfen haben die Hälfte von uns schon mal überlebt. Den gibt es übrigens wirklich und die meisten Frauen können nicht verstehen, wie es uns dabei geht. Selbst ich wollte vor zwei Wochen den Rettungshubschrauber rufen, damit er mich mit meinem Schnupfen auf die Intensivstation fliegt. Aber das ist nicht das Thema meines heutigen Artikels.

Als Komplikation bei einem ordentlichen Infekt kann es zu einer kurzen, längeren oder sogar bleibenden Störung der Riechfunktion kommen. Die allermeisten Fälle sind natürlich die kurzzeitigen Geruchsstörungen während des Infektes.

Dauert die Riechstörung jedoch länger bzw. ist sie komplett, dann sollte der Betroffene den Hals- Nasen- Ohrenarzt aufsuchen. Hier muss gehandelt werden. Jeder meiner Kollegen hat sein spezielles Behandlungsschema und wenn man sie früh anwendet, können bleibende Schäden abgewendet werden.

Endoskopie der Nase ist die wichtigste Untersuchung bei einer Geruchsstörung

In meiner Praxis führe ich eine vollständige Untersuchung des HNO Gebietes durch, mache einen Geruchstest und lege dabei besonderen Wert auf die Nasenendoskopie. Ich schwelle die Nase mit einem otrivengetränkten Tupfer ab, der für 20 Minuten in den beiden Nasenhaupthöhlen bleibt.

Dann hat man einen noch besseren Überblick. Nasenpolypen, die sich aufgrund des Infektes vergrößert haben, können genauso für Riechstörungen verantwortlich sein, wie eine Schwellung der intranasalen Schleimhäute.  Die Polypen können sich über der meist geschwollen unteren Nasenmuschel verstecken und werden erst nach dem Abschwellen der Nasenmuscheln sichtbar.

Weiterführende Diagnostik

Nach der ausführlichen HNO Untersuchung sind nun die bildgebenden Verfahren gefragt. Allen voran die Computertomographie der Nasennebenhöhlen. Die Computertomographie ist bislang das beste Verfahren zur Beurteilung des Siebbeins und des oberen Nasenseptums, eben dem Bereich, in dem das Riechen vornehmlich stattfindet. Eine Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie) löst in dem Bereich nicht befriedigend auf, dennoch sollte vor allem bei jüngeren Patienten eine Kernspintomographie gewählt werden aufgrund der nicht vorhandenen Strahlung. Natürlich hilft auch eine digitale Volumentomographie weiter (DVT), die jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird.

Geruchstest

Der Geruchstest hat sich seit der Einführung von „Sniffin Sticks“ deutlich vereinfacht und man erhält schnell eine valide Aussage zum Geruchsvermögen. Es handelt sich dabei um zwölf unterschiedlichste Riechstifte, deren Geruch den Patienten präsentiert wird und diese dann aus einer Auswahl den richtigen Geruch herausfinden sollen. In vielen Fällen hilft auch der Geschmackstest über die Zunge weiter.  Eine so genannte Schwellendiagnostik, bei der die Gerüche in unterschiedlichen Konzentrationen präsentiert werden ist eher den klinischen Zentren vorbehalten, da diese Diagnostik zeitraubend und nicht erstattungsfähig ist.

Behandlung einer Geruchsstörung nach Infekt

Meine Behandlung einer Geruchsstörung nach bzw. während eines Infektes basiert auf:

  1. Infektbekämpfung
  2. Antientzündlicher Therapie
  3. Lokal abschwellende Maßnahmen
  4. Riechtraining
  5. Allgemeine Unterstützung

 

Infektbekämpfung

Erhalte ich während der Untersuchung beziehungsweise nach der Abstrichuntersuchung den Verdacht eines bakteriellen Infektes, führe ich eine antibiotische Behandlung über 10 – 14 Tage durch. Bei viralen Infekten kann selbstverständlich darauf verzichtet werden. Eine Sekretlösung ist auf jeden Fall über 14 Tage sinnvoll (z.B. die bekanntesten Vertreter: Soledum forte (r), Gelomyrtol forte (r), Sinupret (r) oder ähnliche)

Antientzündliche Therapie

Liegt zweifelsfrei eine akute Riechstörung vor, sollte ein Kortisonschema mit absteigender Dosierung angewendet werden. Gerade vor Kortison haben die Patienten immer einen großen Respekt und äußern ihre Bedenken. Im Fall einer Geruchsstörung sollte jedoch nicht darauf verzichtet werden. Hier muss ich gelegentlich schon einige Überzeugungsarbeit leisten.

Lokal abschwellende, antientzündliche Therapie

Durch Schleimhautschwellung im Bereich der Nase und insbesondere des Riechepithels kommt es zur Beeinträchtigung des Riechvermögens. Lokal abschwellende und antientzündlich wirkende Nasensprays sollten daher über mindestens 4-8 Wochen angewendet werden. Kortisonhaltige Nasensprays erfüllen die Voraussetzungen dafür. Sie sind als Allergienasenspray mit Mometason sogar mittlerweile frei verkäuflich in der Apotheke zu bekommen. Jetzt kommt es noch auf die korrekte Anwendung an. Man sprüht mit der rechten Hand ein bis zwei Sprühstöße ins linke Nasenloch und mit der linken Hand ebenso ins rechte Nasenloch. Der Kopf ist in normaler, gerader Haltung. Ich empfehle die Anwendung morgens und abends. Man beachte aber, dass die Schleimhäute durchaus austrocknen können, daher sollte begleitend eine pflegende Nasensalbe angewendet werden.

Riechtraining

Das ist mit das WICHTIGSTE überhaupt! Mehrere Studien konnten beweisen, dass ein Riechtraining die Chancen einer Erholung der Riechfunktion deutlich erhöht. Dies kann man zum Einen mit industriell gefertigten Riechstiften (z.B. Sniffin Sticks (r), ca. 50 Euro) durchführen oder die günstigere Variante wählen und mit Produkten arbeiten, die man kennt und zu Hause hat. Dabei schließt man die Augen, „visualisiert“ den Geruch – man stellt sich genau vor wie der Stoff riechen soll – und dann riecht man mit geschlossenen Augen daran. Man testet also nicht, ob man den Stoff riecht, sondern macht es genau umgekehrt. Man ruft sich somit den Geruch wieder in das Gedächtnis.

Allgemeine Maßnahmen bei Geruchsstörung

Eine Nasendusche, die man zweimal täglich anwendet, und eine Nasensalbe sind sehr gute unterstützende Hilfsmittel. Nicht zu vergessen sind Vitamin A Tropfen (z.B. Vitradral Tropfen (r)), die man morgens und abends in Kopf – Hängelage in jedes Nasenloch einträufelt und etwas einwirken lässt. Manchmal empfehle ich auch noch einen Vitamin B Komplex (z.B. Neurobion (r)) und Zink (Zinkorotat (r)) für ein bis zwei Monate.

Erfolgsaussichten bei Störungen des Riechvermögens

Sie merken, eine Geruchsstörung kann mit einigem Aufwand behandelt werden. Die Erfolgschancen kann man dennoch nicht genau einschätzen. Die Behandlung einer Störung des Riechvermögens ist und bleibt schwierig. Auf einem Kongress wurde eine mögliche Regenerationszeit von bis zu fünf Jahren angegeben – das gibt immerhin Hoffnung! Gewöhnlich kommt das Geruchsvermögen aber innerhalb eines Jahres oder früher zurück.

Ein Patient, der sich vor 4 Wochen mit einer Geruchsstörung in meiner Praxis vorstellte, kam diese Woche zur Verlaufskontrolle und er war überglücklich, dass er bereits nach wenigen Tagen wieder riechen konnte, obwohl die Probleme vor der Behandlung bereits einige Wochen bestanden.  Lassen sie sich nicht entmutigen und lassen sie bitte nicht den Kopf hängen. Ihr Hals- Nasen- Ohrenarzt hilft ihnen gerne weiter.

Ich wünsche jedem Leser und nicht zuletzt jedem Verzweifelten viel Erfolg bei der Genesung!

Rascheln im Ohr kann ein kleines Haar sein!

Gar nicht so selten, wie man vielleicht glaubt, kommen Patienten in die Sprechstunde, die über ein kratzendes Geräusch im Ohr klagen. Einige von ihnen berichten auch über einen Druck im Ohr oder über ein Rauschen. Die Ursache, die dahinter steckt kann eine sehr einfache sein.

Ist das Rascheln im Ohr ein Hörsturz?

Natürlich machen sich die Betroffenen große Sorgen und vermuten einen Tinnitus oder sogar einen Hörsturz dahinter, dabei sind sie in manchen Fällen sogar selbst schuld.

Viele – ja viel zu viele – Menschen mißbrauchen Wattestäbchen und denken es wären Ohrenstäbchen. Dabei steht auf jeder Packung: “Nicht zur Verwendung in den Ohren”. Zäpfchen steckt man sich ja gewöhnlich auch nicht in den Mund. Dabei steht dies noch nicht einmal explizit auf der Packung. Aber das ist nicht das Thema meines heutigen Artikels.

Ein kleines Haar im Gehörgang, das am Trommelfell reibt kann für das Kratzen im Ohr verantwortlich sein. Es kann ein Haar sein, welches – vor allem bei Männern – am Gehörgangseingang wächst oder der klägliche Rest vom letzten Friseurbesuch. Die Patienten berichten, dass es bei Kopfbewegungen im Ohr raschelt. Andere berichten von einem Kratzen, wenn sie sich am Ohr ziehen oder auf den Bereich vor dem Ohr (Tragus) drücken.

Der erfahrene HNO Arzt merkt schon bei der Anamnese, wo die Reise hingeht. Ein kurzer, gelegentlich auch längerer Blick durch das Ohrmikroskop bringt dann die endgültige Diagnose. Gelegentlich muss man das Mikroskop auch etwas hin und her bewegen, damit man das kleine Haar in den Fokus bekommt.

Ein kleines Haar und danach die Wunderheilung

Mit einem kleinen Zängelchen entfernt der HNO Arzt dann das Haar. Dummerweise kann das Haar aber auch am Trommelfell festkleben, dann muss das Haar z.B. mit einem in Wasserstoffperoxyd getränkten Watteträger gelöst werden. Dennoch kann es etwas Zwicken. Daher sollte man über eine sehr ruhige Hand verfügen.

Wie sie sehen, kann ein kleines Haar große Probleme bereiten. Natürlich können die gleichen Symptome auch von einer kleinen Ohrenschmalzflocke ausgelöst werden. Mit einen einfachen Handgriff wird der Patient geheilt und verlässt freudig verdutzt die Praxis.

In diesem Sinne, wünsche ich ihnen einen schönen, erfolgreichen Tag!

Olivenöl hilft bei Mundtrockenheit (Xerostomie)

## Xerostomie (Mundtrockenheit)

Gerade nach einer Bestrahlung berichten viele Betroffene über eine lästige und oft sehr quälende Mundtrockenheit. Nicht nur nach Bestrahlungen, sondern auch aufgrund der unterschiedlichsten Erkrankungen oder Anwendungen von Medikamenten kann es zu einer Mundtrockenheit (Xerostomie) kommen.

Die Patienten rennen oft von Arzt zu Arzt und versuchen ihr Bestes dieses lästige Symptom zu beseitigen. Ich kann ihnen versichern, dass auch die Ärzte ihr Bestes geben, den Betroffenen zu helfen, nur leider existieren keine guten Therapien. Wenn man Glück hat, findet man die Ursache und kann sie beseitigen (z.B. Umstellen der Medikamenten). Viel häufiger können wir jedoch nur sie Symptome lindern.

Auf dem Markt befinden sich die verschiedensten Sprays, die zu einer Linderung verhelfen können. Richtige Medikamente, die nachgewiesen wirken, gibt es leider keine. Nun erscheint ein kleines Licht am Ende des Tunnels wirklich Hilfe zu versprechen.

## Olivenöl als Spray gegen Mundtrockenheit

Eine spanische Forschergruppe hat die Wirkung eines alten Hausmittels untersucht: Olivenöl. In Spanien ist dies als Spray verfügbar und die regelmäßige Anwendung hat bei vielen Patienten zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden geführt.

Navarro Morante und seine Mitarbeiter behandelten eine Medikamenten-induzierte Xerostomie (Mundtrockenheit) bei 25 Patienten mit einem an Lycopen (Leukopin) angereichertem Olivenöl-Spray (Surat®, Fa. Vianoleo, Spanien) versus Placebo (n = 21). Es wurden zwei unterschiedliche Fragebögen vor und zwölf Monate nach der Anwendung verwendet. Zwar fand sich auch in der Placebogruppe eine Besserung der Mundtrockenheit, jedoch zeigte nur die Verumgruppe eine Verbesserung der Lebensqualität.

Das Spray kann man über Amazon oder auch Ebay beziehen und es scheint in Spanien ein Küchenhelfer zu sein. Ich werde meinen Patienten in Zukunft einen Therapieversuch mit Olivenöl empfehlen. Nichts spricht gegen einen Esslöffel Öl am Morgen und am Abend. Spülen Sie Ihren Mund morgens und abends eine Minute mit dem Öl und schlucken sie es dann herunter.

Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gute Besserung!

## Literatur

Navarro Morante A, Wolff A, Bautista Mendoza GR, López-Jornet P. Natural products for the management of xerostomia: a randomized, double-blinded, placebo-controlled clinical trial. J Oral Pathol Med. 2017; 46: 154–160

Neue Hilfe beim Morbus Menière ohne größere Risiken

intratympanale Kortikoidtherapie Menière

Die intratympanale Kortikoidthreapie beim Morbus Menière

Die intratympanale Kotikoidtherapie hat sich mittlerweile gut bei der Behandlung des Hörsturz etabliert. Momentan wird sie in Deutschland vornehmlich bei einem Hörsturz angewendet, der nicht auf eine systemische (also intravenöse oder orale Gabe) Kortisontherapie reagiert hat. In meiner Praxis führe ich dieses Verfahren seit 2005 mit zum Teil großen Erfolgen durch und habe schon frühzeitig ein Auge auf den Morbus Menière geworfen.

Der Morbus Menière ist gekennzeichnet durch wiederkehrende Anfälle von Schwindel, Hörverlust und eventuell sogar einem Tinnitus, der meist von den Betroffenen als starkes „Brummen“ wahrgenommen wird. Diese Schwindelanfälle können mehrere Stunden andauern und beeinflussen somit massiv die Lebensqualität der betroffenen Patienten.

Die medikamentöse Therapie ist mehr als nur eingeschränkt. Das über Jahrzehnte empfohlene und benutzte Betahistin kann heute nicht mehr mit gutem Gewissen verschrieben werden, da es laut einer anderen Studie überhaupt nicht wirksam sei. Das sehe ich persönlich anders, da in meiner Praxis einige Patienten von Betahistin profitieren. Im akuten Anfall hilft nur Vomex als Tablette oder Zäpfchen, letzteres wirkt auch bei starkem Erbrechen. Eine kausale Therapie existiert bis heute nicht.

Gentamycin vergiftet das Innenohr und das Gleichgewichtsorgan beim Morbus Menière

Als sehr wirksame Behandlung wird seit Jahren die intratympanale Gentamycin Therapie propagiert. Dabei wird Gentamycin, ein Antibiotikum, in lokaler Betäubung durch das Trommelfell ins Mittelohr gespritzt. Gentamycin “vergiftet “ das Gleichgewichtsorgan und die Schwindelanfälle gehen zurück. Leider wirkt das Medikament nicht nur “giftig” auf das Gleichgewichtsorgan sonder auch auf das Innenohr. Somit kann es zu einer erheblichen Hörstörung nach einer Gentamycin — Behandlung kommen.

Aus diesem Grund stehen verständlicher Weise viele Patienten dieser Therapie ablehnend gegenüber, obwohl man wissenschaftlich nachweisen kann, dass diese Behandlung hilft.

Kortisonspritze ins Ohr wirkt genauso gut wie Gentamycin

In einer neuen Studie aus dem Jahr 2017 wurde nun die bekannt wirksame intratympanale Gentamycin Therapie mit der beim Hörsturz erfolgreichen intratympanalen Kortikoidtherapie verglichen. Dabei erfolgte eine Reduktion der Attacken nach Behandlung mit Gentamycin um 87% und nach der Behandlung mit Methylprednisolon um 90%. Auch die (sehr geringen) Nebenwirkungen waren vergleichbar.

Die intratympanale Kortison — Therapie wurde ambulant durchgeführt. Die Patienten erhielten jeweils zwei Injektionen im Abstand von 14 Tagen. Besonders hervorzuheben ist natürlich, dass die Prednisolon-Behandlung nicht in einer Zerstörung des Gleichgewichtsorgans oder des Innenohrs resultierte, die Gleichgewichtsfunktionen und das Gehör daher erhalten blieben.

Somit kann Patienten mit einem Morbus Menière eine effektive, wissenschaftlich Erfolg versprechende Behandlung angeboten werden, die ohne große Nebenwirkungen zu einer deutlichen Verminderung der Schwindelanfälle innerhalb des Folgejahres führen kann.

Sollte Ihr Interesse geweckt sein, so können Sie gerne mit uns einen Termin vereinbaren.

Literatur
Patel M, Agarwal K, Arshad Q et al. Intratympanic methylprednisolone versus gentamicin in patients with unilateral Meniere’s disease: a randomised, double-blind, comparative effectiveness trial. Lancet 2016; 388: 2753–2762

Schilddrüsenzyste als Ursache von einseitigen Schluckbeschwerden

Schluckbeschwerden Schilddrüse

Ein Patient kam mit einem einseitigen Fremdkörpergefühl und zum Teil erheblichen Schluckbeschwerden in meine Sprechstunde.

Die Beschwerden bestanden seit Wochen und waren sogar zunehmend. Schmerzen beim Schlucken werden nicht angegeben.

Die allgemeine HNO Untersuchung war unauffällig.  Insbesondere bei der Endoskopie des Kehlkopfs fanden sich keine Auffälligkeiten. Erst bei der Sonographie des Halses fand ich eine ausgedehnte zystische Raumforderung am Interpol der linken Schilddrüse.

Auf Nachfragen gab der Patient auch das Maximum seiner Schluckbeschwerden in diesem Bereich an.

Ich vereinbarte beim Radiologen einen Termin zur szintigraphischen Untersuchung und Punktion der Schilddrüse . Der Radiologe konnte auch eine gewisse Menge eines zähen Sekrets aus der Schilddrüsenzyste entfernen. Leider reichte die abpunktierte Menge nicht aus . Die Beschwerden bestanden weiterhin und in der sonographischen Verlaufskontrolle nach zwei Wochen fand ich weiterhin eine ausgedehnte Schilddrüsenzyste .

Letztendlich stellte ich den Patienten bei einem herausragenden Chirurgen vor, der die Zyste operativ entfernte. Die Beschwerden waren natürlich sofort gemindert. Jedoch rechnet man auch nach einer Schilddrüsenoperation mit gelegentlichen Schluckbeschwerden aufgrund von Narben.

Schluckbeschwerden Schilddrüse

Dem Patienten ist geholfen. Er kann wieder ohne Probleme schlucken. Das Fremdkörpergefühl ist weg. Die Narbe wird man nahezu nicht mehr sehen.

Für die Praxis sollte man sich merken: Auch eine Schilddrüsenzyste kann zu Schluckbeschwerden führen. In vielen Fällen reicht eine Punktion. Ist die Zyste zu groß,  hilft eine Operation.

Kortison hilft bei Halsschmerzen 

Klingt für mich zunächst etwas verrückt,  aber es scheint wirklich etwas daran zu sein.

Seit jeher benutzt der Hals-Nasen-Ohrenarzt ein hochdosiertes intravenöses Kortikoid unterstützend bei einem Abszess der Mandeln. Das wirkt meist hervorragend und bereits am nächsten Tag sind die Beschwerden bedeutend geringer.

Eine neue, große Querschnitt – Studie aus England fand nun heraus, dass eine einmalig Gabe von nur zehn Milligramm Dexamethason zu einer deutlichen Linderung von Halsschmerzen bei einer banalen, jedoch sehr schmerzhaften Rachenentzündung führt.  Das gilt sowohl für einen bakteriellen Infekt als auch für vitale Entzündungen.

Die einmalige Gabe führte bei Patienten zu einer Verdoppelung der Schmerzfreiheit gegenüber den Patienten, die nicht mit Kortison behandelt wurden.

Die Wahrscheinlichkeit,  dass der Patient nach nur 48 Stunden schmerzfrei ist, war um den Faktor 1,5 erhöht.

Die niedrigdosierte, einmalige Gabe von bis zu 10 mg Dexamethason scheint also eine sinnvolle Ergänzung bei akuten, sehr starken Halsschmerzen zu sein.

Ich nehme diese Studie gern an und werde Patienten mit starken Halsschmerzen  in Zukunft  noch besser helfen können.

 

Halsschmerzen und Kortison

 

Quelle Kortison bei Halsschmerzen:

Corticosteroids for treatment of sore throat: systematic review and meta-analysis of randomised trials

BMJ 2017; 358 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.j3887 (Published 20 September 2017)Cite this as: BMJ 2017;358:j3887

Kummersprechstunde am Donnerstag

Unsere Praxis erfreut sich einer immer steigenden Beliebtheit. Dafür danke ich meinen Patienten und natürlich auch meinen lieben Angestellten, die jeden Tag hunderte Anfragen bewältigen und stets versuchen für jedes Bedürfnis einen passenden Termin zu finden.

Mittlerweile können Termine erst in sechs bis acht Wochen vergeben werden. Zum einen liegt das an der Anzahl bedürftiger Patienten und zum Anderen möchte ich einfach genug Zeit für jeden einzelnen Patienten haben. Selbstverständlich bieten wir jeden Tag auch ein größeres Kontingent von Notfall – Terminen an. Aber selbst diese sind immer rasch ausgebucht.

Als weiteren Service haben wir ab Oktober 2017 eine Kummersprechstunde am Donnerstag- Nachmittag von 14-16 Uhr eingerichtet. Zu dieser Zeit kann man ohne Termin in der Praxis vorbeikommen. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn nicht jeder mit einer banalen Erkältung diesen Service nützen würde, denn diese gehört nach wie vor ( wenn überhaupt) in hausärztliche Hände.

Wir hoffen damit, die Terminsituation etwas entschärfen zu können.

Für heute wünsche ich Ihnen alles Liebe und Gute und freue mich auf Ihren Besuch!

Ihr

Dr. Holger Dewes

Mittelohrentzündung bei Kleinkindern und Babys

Mittelohrentzündung bei Kleinkindern und Babys

Die akute Mittelohrentzündung bei Kindern unter zwei Jahren soll nach aktuellen Ergebnissen grundsätzlich antibiotisch behandelt werden. Obwohl man bei älteren Kindern in den letzten Jahren empfohlen hat, zuerst abzuwarten und bei ausbleibender Besserung eine antibiotische Behandlung einzuleiten, so ist dies bei Kindern unter zwei Jahren etwas anders.

Hier empfiehlt „man“ die Antibiotikagabe in jedem Fall bei einer Otitis media.1,2 Der Goldstandard ist und bleibt Amoxicillin. Bei Unverträglichkeit weicht man auf das entsprechende Mittel aus.

Eine Forschergruppe aus den vereinigten Staaten hat nun herausgefunden, dass eine gut gemeinte Antibiotikatherapie über fünf Tage nicht so gut wirkt, wie wenn man das gleiche Antibiotikum über zehn Tage gibt.

Antibiotikum bei Kleinkindern mit Mittelohrentzündung (Otitis media) über 10 Tage?

Man untersuchte zwei Gruppen: die eine Gruppe Kinder erhielt das passende Antibiotikum über fünf Tage, die andere Gruppe über zehn Tage. Dabei fand man heraus, dass die Gruppe, die das Antibiotikum über zehn Tage erhalten haben deutlich besser abgeschnitten hat. Es kam zu deutlich weniger Therapieversagern. Des Weiteren sank auch die Infekthäufigkeit, wenn man bereits die erste Mittelohrentzündung ausreichend lange antibiotisch behandelt hat. In früheren Untersuchungen, sah man das anders und empfahl die Antibiotikagabe über nur fünf Tage.1

30 % der behandelten Kinder zeigten Nebenwirkungen auf die Antibiose im Sinne von Bauchschmerzen und Durchfall. Diese hohe Zahl gibt natürlich einiges zu denken.

Ich persönlich sehe eine unnötige antibiotische Behandlung grundsätzlich kritisch. Neulich habe ich einen Artikel gelesen, der über die medikamentöse Behandlung in der Schwangerschaft handelte. Wenn nur jeder Kranke in seinem Kopf schwanger wäre, oder der Arzt selbst den Patienten so behandeln würde, als wäre er schwanger, dann würden die oft komplett unnötigen Antibiotika nicht verordnet bzw. auch nicht von den Patienten gefordert. Dieses Problem lösen wir aber jetzt nicht in diesem Artikel, das überlassen wir weiter dem Chaos, das Dr. Google anrichtet.

Diagnostik einer Mittelohrentzündung bei Babys

Die Diagnostik einer Mittelohrentzündung bei Kindern unter zwei Jahren ist generell etwas schwierig. Viele Kinder weinen während der Untersuchung. Durch das Weinen verstärkt sich der Druck im Kopf, die Gefäße stellen sich weit, es schließt Blut in die kleinen Gefäße des Trommelfells und ein zuvor komplett unauffälliges Trommelfell sieht aus, als wäre es hochgradig entzündet. Sie selbst erleben das, wenn die Kinder beim Weinen einen hochroten Kopf bekommen.

Gerade Babys und Kleinstkinder können sich nicht ausdrücken und sagen, ob und wie lange und wo sie Schmerzen haben. So verlässt man sich eigentlich nur auf das klinische Bild und den Befund des Ohres.

In der HNO – Praxis steht noch die Tympanometrie zur Verfügung. Bei dieser Messung wird eine kleine Sonde in den Gehörgang eingeführt. Sie dient der Druckmessung im Mittelohr. Bei einer klassischen Mittelohrentzündung, hat die mit einem eitrigen Paukenerguss einhergeht, sieht man einen sogenannten flachen Kurvenverlauf.

Fazit für die Praxis

Mein Fazit aufgrund dieser Studie ist, dass wenn ich ein Antibiotikum bei einem Kleinkind für sinnvoll erachte, ich es auch in ausreichender Dosierung verordne. Es empfiehlt sich die Kontrolle nach etwa fünf Tagen, wenn es da nicht zu einer Besserung gekommen ist, wird die Strategie gewechselt. Ist es besser aber noch nicht gut, verlängert man die Antibiotikagabe.

Generell bleibt die Diagnostik einer Mittelohrentzündung dem Fachmann vorbehalten. Selbstverständlich kann der erfahrene Kinderarzt dies gut erkennen und auch entsprechend behandeln. Sollte er Kinderarzt auf ein Problem stoßen, welches er nicht lösen kann, damit er sie selbstverständlich zu einem Hals-Nasen-Ohren Arzt weiterleiten.

Der Kinderarzt ist und bleibt die erste Anlaufstelle für Sie und Ihr Kind. Er ist der Fachmann, der Lotse, der ihr liebes Kind und Sie durch die ersten Jahre seines Lebens begleitet.

Literatur

  1. Kozyrskyj AL, Hildes-Ripstein GE, Longstaffe SE, et al. Treatment of acute otitis media with a shortened course of antibiotics: a meta-analysis. JAMA. 1998;279(21):1736-1742. doi:10.1001/jama.279.21.1736.
  2. Tähtinen P a, Laine MK, Huovinen P, Jalava J, Ruuskanen O, Ruohola A. A Placebo-Controlled Trial of Antimicrobial Treatment for Acute Otitis Media. N Engl J Med. 2011;364(2):116-126. doi:10.1056/NEJMoa1007174.

 Orinalarbeit

Shortened Antimicrobial Treatment for Acute Otitis Media in Young Children

Alejandro Hoberman, M.D., Jack L. Paradise, M.D., Howard E. Rockette, Ph.D., Diana H. Kearney, R.N., C.C.R.C., Sonika Bhatnagar, M.D., M.P.H., Timothy R. Shope, M.D., M.P.H., Judith M. Martin, M.D., Marcia Kurs-Lasky, M.S., Susan J. Copelli, B.S., D. Kathleen Colborn, B.S., Stan L. Block, M.D., John J. Labella, M.D., Thomas G. Lynch, M.D., Norman L. Cohen, M.D., MaryAnn Haralam, C.R.N.P., Marcia A. Pope, R.N., Jennifer P. Nagg, R.N., Michael D. Green, M.D., M.P.H., and Nader Shaikh, M.D., M.P.H.

N Engl J Med 2016; 375:2446-2456December 22, 2016DOI: 10.1056/NEJMoa1606043

 

Mandelentzüdung und Antibiotikum?

Brauche ich bei einer akuten Mandelentzündung ein Antibiotikum?

Eine akute Mandelentzündung äußert sich durch intensive Schluckbeschwerden und vor allem durch massive Schmerzen beim Schlucken. Diese Schmerzen können bis in die Ohren ausstrahlen. Zusätzlich bestehen ein allgemeines Krankheitsgefühl, körperliche Schwäche und teilweise Fieber.

Aufgrund dessen fällt dem Betroffenen natürlichen Nahrungsaufnahme schwer und er trinkt auch weniger. Schon befindet man sich in einem kleinen Teufelskreis, denn gerade die Flüssigkeitszufuhr muss bei jedem Infekt gewährleistet sein.

In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich bei der Mandelentzündung um eine virale Entzündung. Um es gleich vorweg zu nehmen: Antibiotika helfen nicht bei viralen Entzündungen! Bei einer bakteriellen Entzündung kommt es zu einem verlängerten Verlauf bzw. kann es zur Entwicklung von Komplikationen kommen.

Eine der Komplikationen einer bakteriellen Tonsillitis ist der Paratonsillarabszess. Bei einem Paratonsillarabszess bildet sich eine Eiterhöhle hinter den Mandeln.

Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Mandelentzündung besser zu verstehen und hoffentlich in Zukunft auf unnötige Antibiotika-Einnahmen zu verzichten. Alles ist Gift, es kommt nur auf die Dosierung an.

In Deutschland wird die Diagnose einer akuten bzw. chronischen Entzündung der Mandeln über 100.000 Mal pro Jahr gestellt. Die Mandelentfernung ist bei stationär behandelten Kindern und Jugendlichen die vierthäufigste Operation. Die Anzahl der Operationen schwanken in der Bundesrepublik deutlich. Im Saarland findet man sogar die meisten Mandeloperationen pro Kopf.

Auslöser einer Mandelentzündung

Die akute Mandelentzündung wird in bis zu 95 % der Fälle durch Viren verursacht. Bei einer bakteriell bedingten Mandelentzündung handelt es sich meist um Streptokokken der Gruppe A. Der Nachweis von Bakterien bei einer Mandelentzündung gelingt nur bei 50-66 % der betroffenen Patienten.1

Laut der aktuell geltenden Leitlinie2 soll eine Unterscheidung zwischen akuter und wiederkehrender akuter Tonsillitis – früher chronische Tonsillitis genannt- erfolgen. Der Einfachheit halber werde ich weiterhin den Terminus chronische Tonsillitis verwendet. Dann weiß auch jeder, was gemeint ist.

Wann sollen die Mandeln operiert werden?

Bei der chronischen Mandelentzündung kommt es zu beschwerdearmen bzw. beschwerdefreien Intervallen zwischen den akuten Episoden. Eine operative Entfernung der Mandeln soll nach der aktuell geltenden Leitlinien nach folgenden Kriterien erfolgen:

  • Sieben oder mehr Mandelentzündungen im letzten Jahr
  • fünf oder mehr Mandelentzündungen jeweils pro Jahr in den letzten zwei Jahren
  • drei akute Mandelentzündungen jeweils pro Jahr in den letzten drei Jahren

Diagnostik bei einer Mandelentzündung

Zunächst ist natürlich die Anamnese von herausragender Bedeutung. Bei der klinischen Untersuchung schaut man sich den Mund Rachenbereich genau an. Typisch für eine akute Mandelentzündung sind gerötete, geschwollene Mandeln. Bei bakteriellen Entzündungen finden sich oft auch gelbliche Stippchen in den Krüpten. Das sind die kleinen Vertiefungen bzw. Löcher in den Mandeln. Bei der Untersuchung des äußeren Halses finden sich oft geschwollene Lymphknoten, die bei Berührung schmerzen.

Wie finde ich jetzt heraus, ob es sich um eine seltene bakterielle Mandelentzündung handelt?

Wie so oft in der Medizin versucht man diese Frage mit einem Fragebogen, einem so genannten Score und einem Abstrich zu sichern:

Bestimmung der Wahrscheinlichkeit einer Streptokokkeninfektion für Patienten mit Manselentzündung nach Malsaac

 

Punkte           Symptome

1                     Fieber über 38°

1                     kein Husten

1                     Hals Lymphknotenschwellung

1                     Schwellung der Mandeln

 

Alter:

1                     3-14 Lebensjahre

0                     15- 44 Lebensjahre

-1                    mehr als 45 Lebensjahre

 

Auswertung:

-1 oder 0                   ca. 1%

1                                 ca. 10 %

2                                 ca. 17 %

3                                 ca. 35 Prozent

4-5                             ca. 50 Prozent

 

Hat der 4 jährige Patient (+1) Fieber, Husten (-1) und eine Schwellung der Mandeln (+1) und geschwollene Halslymphknoen (+1), dann ergibt die Summe 3. die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Streptokokkeninfektion handelt, liegt aufgrund der Tabelle bei lediglich 35 %.

In dieser Konstellation kann ein Rachenabstrich somit sinnvoll sein.

Ein erwachsener Patient über 45 Jahre hat bei dieser Konstellation lediglich die Wahrscheinlichkeit von 17 % unter einer Streptokokkeninfektion zu leiden.

Hat der vier jährige Patient Halsschmerzen, Husten, eine Lymphknotenschwellung und kein Fieber, dann liegt die Wahrscheinlichkeit einer Streptokokkeninfektion lediglich bei 17 % und rechtfertigt somit weder einen Abstrich, noch eine Antibiose.

Die Kosten für einen Schnelltest – Rachenabstrich werden in Deutschland bis zum 16. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen. Darüber hinaus müssen Sie mit Kosten rechnen.

Therapie der akuten Mandelentzündung

Sollte sich nun herausstellen, dass es sich wirklich um eine bakterielle Mandelentzündung handelt, dann ist eine Antibiotikagabe zwingend notwendig. Gerade wenn es sich um Streptokokken handelt, begeht der behandelnde Arzt einen Fehler, wenn er darauf verzichtet. In diesem Fall es immer noch Penicillin das Mittel der Wahl. Es wirkt zuverlässig gegen Streptokokken und sollte über sieben Tage eingenommen werden.

Hat man den Verdacht, dass es sich zwar um eine bakterielle Entzündung handelt, jedoch keine Streptokokken ursächlich sind, kann man auf Amoxicillin zurückgreifen. Dieses Aminopenicillin hat ein größeres Wirkspektrum im gram- negativen Bereich.

Alternativen sind Erythromycin, Clindymycin oder Cephalosporine.

In den übrigen 95 % der Fälle handelt es sich also um eine virale Entzündung. Bei diesen helfen keine Antibiotika. Hier sollte man lediglich die Symptome behandeln. Schmerzmittel, Flüssigkeitszufuhr am besten mit Tees und körperliche Schonung sind hier zu empfehlen.

Bei einem banalen Infekt der Mandeln reicht Paracetamol, mein geliebter Cistus Inaus TEE3 und körperliche Schonung komplett aus. Bei stärkeren Halsschmerzen kann man auch auf Ibuprofen oder Diclofenac zurückgreifen.

Wie immer gilt: Wenn Sie sich nicht sicher sind, besuchen Sie ihren Hals Nasen Ohren Arzt. Er hat die ausreichende Erfahrung und das Wissen, Ihnen innerhalb kürzester Zeit zu helfen.

Bedenken Sie jedoch: Ein Infekt kommt eine Woche, bleibt eine Woche und ergeht eine Woche. Wunder geschehen in der Kirche und leider nur selten in der Medizin.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem kleinen Artikel etwas helfen und wünsche Ihnen, sofern Sie betroffen sind, von Herzen eine gute Besserung!

Literatur

  1. Del Mar C. Managing sore throat: A literature review II. Do antibiotics confer benefit? Med J Aust. 1992;156(9):644-649.
  2. Berner R, Steffen G, Toepfner N, Waldfahrer F, Windfuhr J. Therapie entzündlicher Erkrankungen der Gaumenmandeln – Tonsillitis. AWMF Online. 2015;(017/024):1-115. http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-024l_S2k_Tonsillitis_Gaumenmandeln_2015-08_01.pdf.
  3. Kalus U, Grigorov A, Kadecki O, Jansen JP, Kiesewetter H, Radtke H. Cistus incanus (CYSTUS052) for treating patients with infection of the upper respiratory tract. A prospective, randomised, placebo-controlled clinical study. Antiviral Res. 2009;84(3):267-271. doi:10.1016/j.antiviral.2009.10.001.

Nasensprays in Schwangerschaft

Es ist bekannt, dass in der Schwangerschaft viele unter einer ständig verstopften Nase leiden. Des Weiteren schützt eine Schwangerschaft nicht vor dem Risiko einer Erkältung zu bekommen. Dann stellt sich immer die Frage welche Medikamente kann ich nehmen und vor allem kann ich ein Nasenspray nehmen?

Dieser kleine Artikel soll Ihnen Sicherheit geben, damit sie wissen welche Art von Nasenpflege bzw. Nasensprays sie ohne Bedenken verwenden können.

Abschwellendes Nasenspray ist ein so genannter „off label use“

Zuvor sollte man aber wissen, dass 85 % aller Medikamente während einer Schwangerschaft keine explizite Zulassung zur Verwendung der in der Schwangerschaft haben. Man bezeichnet daher eine solche Verordnung als „off label use“.

Im Beipackzettel der Medikamente steht, dass man sie nicht während einer Schwangerschaft nehmen soll. Hundertprozentig gesicherte Studien gibt es zu diesem Thema nicht. Welche Schwangere stellt sich schon freiwillig zur Verfügung ein Medikament mal auszutesten. Das ist also ethisch nicht vertretbar.

Die Empfehlungen hier stützen sich auf einen aktuellen Artikel und dieser beruht auf empirischen Erfahrungen tausender Kollegen und tausendfacher Schwangerschaften.

Daher werden auch einige Ratschläge, die ich hier gebe, im Beipackzettel ebenfalls eine Warnung enthalten.

Letztendlich sollten Sie grundsätzlich vor der Verwendung eines Medikamentes Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt halten.

Die Nase schwillt aufgrund von Hormonen zu

Die unter anderem hormonell bedingte Rhinitis während einer Schwangerschaft für Zustellung der Nasenschleimhaut und einer behinderten Nasenatmung. Folgeerscheinungen sind Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung und eine verminderte Konzentrationsfähigkeit. Dies führt natürlich zu einer eingeschränkten Lebensqualität der Schwangeren.

Durch die längerfristige Behinderung der Nasenatmung besteht während eines Infektes unter anderem auch das Risiko einer Mittelohrentzündung.

Bezüglich der Verwendung von abschwellen Nasensprays ergibt sich aus der aktuellen Studienlage kein Hinweis auf ein Embryo schädigendes Potenzial. Abschwellende Nasensprays enthalten die Wirkstoffe Xylometazolin und Oxmetazolin. Ich nenne diese im weiteren Artikel nur noch wegen ihrer Endung: Zoline.

Diese Zoline sind laut Beipackzettel nicht für Schwangere geeignet. Theoretisch wäre eine Beeinträchtigung des Feten durch eine systemische Vasokonstuktion denkbar. Das bedeutet, die Durchblutung der Frucht kann gestört werden.

Bei entsprechender Indikation, kann man dennoch kurzfristig auf die Zoline zurückgreifen. Eine Anwendung über 3-5 Tage ist somit möglich.

Vorsicht die Nasensprays machen auch Schwangere und Kinder abhängig

Viel länger sollten abschwellen der Nasensprays sowieso nicht genommen werden. Innerhalb 5-10 Tagen entsteht nämlich ein Gewöhnungseffekt. Dieser führt zu einer lokalen Abhängigkeit. Man kann ohne Nasensprays und ohne Zoline nicht mehr frei durchatmen. Deshalb sollte man generell darauf achten, dass abschwellen Nasensprays nur bei maximal 5-10 Tage genommen werden.

Das gleiche gilt natürlich auch für Kinder. Und hier macht nicht die Dosierung das Problem, sondern die Dauer der Anwendung. Stellen Sie sich zwei Nervenendungen vor, dass eine Nervenende sendet ein Botenstoff aus und auf dem Erfolgsorgan sitzt ein Rezeptor, der sagt: Gefäß zieht sich zusammen, glatte Muskulatur zieht sich zusammen.

Jetzt kommt der schlaue Mensch bzw. die Pharmaindustrie auf die Idee diesen Botenstoff nachzuahmen. Der Mensch sprüht sich diese Zoline in die Nase und der Rezeptor am Erfolgsorgan wird mit Botenstoff überflutet. – in nie zuvor dagewesener Menge. Die Nase wird frei, läuft nicht mehr so stark und der Mensch ist glücklich.

Doch Vorsicht, das Messer hat zwei Schneiden!

Nach ein paar Tagen haben die Rezeptoren natürlich „die Nase voll“ und ziehen sich zurück. Dann setzt der Mensch die Zoline ab und die Menge des natürlichen Botenstoffes reicht nun nicht mehr aus, dass Erfolgsorgan zu beeinflussen. Es ist somit eine lokale Abhängigkeit entstanden.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: nach knapp drei Wochen bilden sich diese Rezeptoren wieder in ausreichender Anzahl. Aber diese drei Wochen sind für die meisten unerträglich lang.

Sie merken vielleicht, dass ich persönlich nicht viel von diesen Medikamenten halte und sie nur Notfall einsetze.

Welche Nasensprays können unbedenklich verwendet werden?

Viel besser ist die Verwendung von Nasensprays aus Salzbasis oder auch einer Nasendusche. In den meisten Fällen reicht die abschreckende Wirkung dieser Sprays vollkommen aus.

Generell kann die Schwangere der hormonellen Rhinitis vorbeugen, indem sie regelmäßig Nasenspülung durchführt. Regelmäßig bedeutet in diesem Fall: einmal morgens und einmal abends.

Sollte nun dennoch keine Verbesserung durch die salzhaltige Nasensprays erzielt werden, so kann man auch auf Cortison-Nasensprays zurückgreifen. diese führen nicht zu einer lokalen Abhängigkeit und können somit über einen längeren Zeitraum genommen werden. Jedoch sollte man auch in der Schwangerschaft mit diesen Produkten vorsichtig sein und sie nur bei passender Indikation einsetzen.

Ich hoffe ich konnte ihn mit meinen Angaben behilflich sein, sollte noch Freitag Fragen offen sein, so kann ich Ihnen den unten stehenden Artikel empfehlen.

Ich wünsche Ihnen, sofern Sie schwanger sind, alles Gute für die nächste Zeit und viel Spaß mit dem neuen Erdenbürger. Auf dieser Welt gibt es nichts Schöneres!

P.S.: Geben Sie bitte Ihrem Kind -wenn überhaupt- niemals über längere Zeit abschwellendes Nasenspray!